
1. November 2010 - Allerheiligen - 19.30 Uhr
Tod, wo ist dein Stachel?
Literarische Zeugnisse zum Tod
Und er neigte sein Haupt und verschied – so beschreibt der Evangelist Johannes den Tod Jesu. Der unvergleichlichen Poesie des Bibelzitats steht heute eine nüchterne Prosa gegenüber: Es werden nur noch Nulllinien abgeleitet, registriert lakonisch der Anästhesist im Roman Hirntod von Horst Meier Hörstgen während einer Operation. Der Tod eine Nullstelle: Wie kann sich die Literatur gegen eine solche Dominanz des Funktionellen behaupten?
Am Abend von Allerheiligen, am Vorabend von Allerseelen werden in der Kunst-Station Sankt Peter Texte verschiedener Autoren vorgestellt, die um Sterben und Tod kreisen. Soviel scheint klar: Moderne Literatur muss einen eigenen Zugang auf das Phänomen Tod gewinnen – einen Zugang, der auf neue Weise Realismus, Menschenwürde und Trost in sich vereint. Literarische Zeugnisse von Montaigne bis Ulla Berkéwicz, von Leo Tolstoj bis Michael Lentz zeigen Wege auf, dem Tod jenseits von Verdrängung, kaltem Objektivismus und medialer Abnutzung zu begegnen.
Textauswahl: Werner Köhne
Moderation: André Schäfer
8 Euro, ermäßigt 4 Euro
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