
Wer Sankt Peter betritt, erlebt einen Sakralraum von neuer Art. Für viele Menschen ist die Kirche ungewohnt karg und leer. Das hat seinen Grund: Der Mensch von heute, wo immer er geistig verankert ist, darf hier seinen Raum erleben. Denn der Raum des Menschen ist seine Freiheit. Hier kann er seine Erfahrungen ordnen und am Ende selbst-entfaltend wohnen. Neben den physikalischen Räumen gibt es den Vorstellungs- und Bewusstseinsraum, den künstlerischen Raum, den sakralen Raum. Zwischen ihnen und in ihnen ist die Leere. Diese formale Raumbestimmung wird inhaltlich interpretiert durch das Handeln, sprich das Einrichten durch den Menschen. Solches Einrichten setzt ein Freiräumen vorraus. Nur über diese Handlung kann es zum Einräumen kommen. Der moderne Kirchenbesucher begreift die erlebte Atmosphäre zunächst ästhetisch. Der Raum rührt ihn persönlich an. Das macht den Raum aber noch nicht sakral. Gleichwohl unterstützt die so verstandene Raumatmosphäre das, was der Glaubensvollzug der feiernden Gemeinschaft als sakral versteht. Die Leere bringt den Besucher zur Verwunderung und zwingt ihn zur Auseinandersetzung: Was ihm fehlt, muss er selbst ein-räumen. Er benötigt die vorhandenen kulturellen Strukuren in Wort, Bild und Ton, um seine Gefühle zu formen und zu äußern. Zur Anregung gehören nicht nur das Angebot des Wortes Gottes, die sakramentale Feier der religiösen Geheimnisse, meditatives Schweigen und Anbetung, sondern auch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge, Gespräche. Zu den Veranstaltungen werden für den Kirchenbesucher Stühle aufgestellt. Gewissermaßen als ein Teil der Liturgie räumt die Gemeinde diese nach der Messe selbst wieder weg. Auch im sakralen Raum ist alles im Fluss.

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