{"id":151,"date":"2011-06-14T12:42:10","date_gmt":"2011-06-14T12:42:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sankt-peter-koeln.de\/wp\/?page_id=151"},"modified":"2023-08-05T14:12:43","modified_gmt":"2023-08-05T14:12:43","slug":"rubensbild","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sankt-peter-koeln.de\/wp\/raum-2\/rubensbild\/","title":{"rendered":"Rubensbild"},"content":{"rendered":"<p>Zahlreiche Bilder mit religi\u00f6sen Szenen hat der fl\u00e4mische Barockmaler Peter Paul Rubens (1577-1640) im Laufe seines Lebens gemalt. Sein pers\u00f6nlichstes und vielleicht auch unheimlichstes malte er kurz vor seinem Tod \u2013 f\u00fcr Sankt Peter.<\/p>\n<p><strong>Peter Paul Rubens \u2013 ein Kind von Sankt Peter<\/strong><\/p>\n<p>Rubens wurde in Siegen geboren. Seine Kindheit bis 12 verbrachte er aber 1578 bis 1589 in K\u00f6ln im Sprengel der Pfarrei Sankt Peter. Seine Familie wohnte in der Sternengasse unweit der Pfarrkirche, keine 500 Meter weit weg. Als sein Vater Jan 1587 starb, wurde der in der Kirche beerdigt. Wo genau, ist unbekannt.<\/p>\n<p>In der Sternengasse residierte auch die wohlhabende Kaufmannsfamilie Jabach. Anfang des 17. Jahrhunderts sa\u00df deren Oberhaupt Everhard III im Stadtrat von K\u00f6ln und im Kirchenvorstand von Sankt Peter. Als er 1636 starb, beschloss die Familie, zu seinem Andenken einen Altar f\u00fcr die Kirche zu stiften \u2013 vom damals ber\u00fchmtesten Maler der Zeit, eben Peter Paul Rubens in Antwerpen. Eben dem Rubens, den sie hier als Jungen in Sankt Peter gekannt hatten, bevor er so ber\u00fchmt geworden war. Dass es vier Jahre vor Rubens&#8216; Tod sein sollte, und damit sein letztes Geschenk an die Gemeinde \u2013 das konnte keiner ahnen.<\/p>\n<p><strong>Der Auftrag<\/strong><\/p>\n<p>Everhards Sohn, der sp\u00e4ter in Paris eine der gr\u00f6\u00dften und bedeutendsten Kunstsammlungen Europas aufbaute, trieb das Vorhaben voran. In London gewann er 1636 als Vermittler den Maler George Geldorp. Im Januar 1637 reiste der schon nach K\u00f6ln und besprach mit dem Pfarrer Meshoven das Projekt des neuen Hochaltars. Zu diesem Zeitpunkt stand offenbar fest, Rubens habe diesen Auftrag angenommen. Jedenfalls schrieb der Pfarrer drei Monate sp\u00e4ter an Everhard IV nach London, der Maler d\u00fcrfe sich das Motiv des Altarbilds selbst aussuchen, allein dass es sich um eine Petrusszene handeln solle, sei festgelegt. Everhard werde gewiss daf\u00fcr sorgen, dass ein Motiv gew\u00e4hlt werde, was einst seine Fr\u00f6mmigkeit und seinen Sch\u00f6nheitssinn befriedigen werde. Die Freiheit, die Rubens damit einger\u00e4umt wurde, war zu der damaligen Zeit \u00e4u\u00dferst bemerkenswert.<\/p>\n<p><strong>Der Plan<\/strong><\/p>\n<p>Im Juli 1637 teilte Rubens mit, dass er das Martyrium das Petrus, die Kreuzigung, malen wolle. Rubens schrieb sp\u00e4ter, dieses Thema locke ihn mehr als alle anderen, welche er derzeit unter den H\u00e4nden habe, und er hoffe, es werde eines der besten St\u00fccke, die er je geschaffen habe.<\/p>\n<p><strong>Das Motiv<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich malte Rubens ein Bild, das die Kreuzesfr\u00f6mmigkeit seiner Zeit mit der gegenreformatorischen Polemik auf kraftvolle Weise vereinigt. Wie nie zuvor hat er das Heilige mit dem Schrecklichen verbunden.<\/p>\n<p>Kopf\u00fcber, so ist es in der Legenda Aurea zu lesen, wollte der Apostel ans Kreuz geschlagen werden. Dies geschah in der Regierungszeit des Kaisers Nero unter dem Pr\u00e4fekten Agrippa. Wir sehen den fast nackten K\u00f6rper des Apostels Petrus, der von f\u00fcnf Schergen ans Kreuz gezw\u00e4ngt wird. Mit qualvoller Eindringlichkeit zeigt Rubens die N\u00e4gel, mit denen H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe des M\u00e4rtyrers ans Kreuz geschlagen werden. Rubens stellt den qualvollsten Moment des Geschehens dar. Zwei kraftstrotzende Gestalten stemmen das auf die Erde weisende Kreuz hoch und richten es auf. Doch noch ist Petrus nicht ans Kreuz geschlagen. Links ergreift ein dritter kr\u00e4ftiger Scherge seinen rechten Arm und dr\u00fcckt ihn auf den Querbalken. Ein vierter Schinder holt mit dem Hammer aus, um den Nagel in den Fu\u00df zu schlagen. Ein Offizier in zeitgen\u00f6ssischer Uniform ist ihm dabei behilflich. Imponierend gestaltet Rubens den entbl\u00f6\u00dften athletischen K\u00f6rper des greisen Apostels, dessen Haut von innen zu leuchten scheint.<\/p>\n<p>Die Knie sind eingeknickt, die Schergen zerren das linke Bein zur Seite. Die Haut zieht Falten, Ober- und Unterk\u00f6rper kr\u00fcmmen sich gegeneinander. Das Licht kommt vom Himmel und l\u00e4sst die Brust aufleuchten. Das von Blut ger\u00f6tete Gesicht liegt halb ich Schatten. Petrus scheint den Mund zu einem Schmerzesschrei zu \u00f6ffnen. Schonungsloser konnte Rubens die qualvolle Kreuzigung nicht schildern.<\/p>\n<p>Doch auch den christlichen Sieg \u00fcber den nat\u00fcrlichen Tod ist im Bild klar zu erkennen. Rechts oben am Himmel erscheint ein Engel mit dem Lorbeerkranz und der Siegespalme. Der vor diesem Bild betende Gl\u00e4ubige wusste, dass sich mit dem Tod des Apostels eine neue Perspektive er\u00f6ffnete f\u00fcr alle, die den Glauben an Christus teilen, f\u00fcr den Petrus in den Tod ging.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gestaltete Rubens das Bild als klares Bekenntnis der Gegenreformation. Die Augen des Apostels sind n\u00e4mlich nicht auf den offenen Himmel und den Engel gerichtet, sondern auf die Kleidungsst\u00fccke am rechten Bildrand unten. Die vermeintlichen Petruskleider entpuppen sich beim n\u00e4heren Betrachten auf die barocke Chorkleidung des Papstes. Rubens setzt damit das Martyrium des Petrus mit dem Leid des Papstes gleich, das ihm die Reformation zugef\u00fcgt hatte.<\/p>\n<p><strong>Sein letztes Bild<\/strong><\/p>\n<p>Am 30. Mai 1640 starb Peter Paul Rubens in Antwerpen. Ein Jahr sp\u00e4ter lie\u00df die Familie Jabach den Erben den Betrag von 1200 Gulden zukommen. 1642 kam die \u201eKreuzigung Petri\u201c nach Sankt Peter, wo Pfarrer Meshoven inzwischen einen prachtvoll gestalteten Marmoraltar errichten lie\u00df. Die Aufstellung des Bilds war das wichtigste Kunstereignis in K\u00f6ln im 17. Jahrhundert. Es war das erste Barockgem\u00e4lde, das in einem passenden Altaraufbau in eine K\u00f6lner Kirche kam. Pfarrer Meshoven erg\u00e4nzte den Altar um vier weitere, darunter die \u201eBerufung des Paulus\u201c von Cornelis Schut. Damit betrieb er eine entscheidende Neugestaltung des Altarraums im modernen Stil des Barock.<\/p>\n<p><strong>Das Geschenk kehrt zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>1794 wurde das Bild auf Befehl der franz\u00f6sischen Besatzung in den Louvre nach Paris gebracht. Erst 1815 kam es unter gro\u00dfer Anteilnahme der K\u00f6lner Bev\u00f6lkerung zur\u00fcck nach Sankt Peter. Zwei weitere Male wurde das Gem\u00e4lde aus der Kirche entfernt. 1941 wurde es auf Schloss Pommersfelden bei Bamberg vor den Bombardierungen der Alliierten evakuiert und kehrte 1961 in die wieder aufgebaute Kirche zur\u00fcck. 1997 wurde es zusammen mit dem Bild von Cornelis Schut f\u00fcr die Zeit der Renovierung von Sankt Peter in den K\u00f6lner Dom gebracht. Im M\u00e4rz 2002 kehrten die Bilder wieder zur\u00fcck, wo sie auf einer Drehwand hinter dem Kreuzaltar von Eduardo Chillida abwechselnd zu sehen waren. Seit 2004 h\u00e4ngt die \u201eKreuzigung Petri\u201c wieder an der Stirnwand des s\u00fcdlichen Seitenschiffs, wo es seit 1988 mehrere Jahre gehangen hatte.<\/p>\n<p><strong>Aus restauratorischen Gr\u00fcnden war die \u201eKreuzigung Petri\u201c von Peter Paul Rubens von Oktober 2019 bis April 2022 nicht zu sehen. Nun ist das Bild wieder an seinen alten Platz zur\u00fcckgekehrt.<br \/>\nInformationen zur Restaurierung finden Sie <a href=\"https:\/\/www.sankt-peter-koeln.de\/wp\/raum-2\/unser-rubens-kehrt-zurueck\/\">[hier]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zahlreiche Bilder mit religi\u00f6sen Szenen hat der fl\u00e4mische Barockmaler Peter Paul Rubens (1577-1640) im Laufe seines Lebens gemalt. Sein pers\u00f6nlichstes und vielleicht auch unheimlichstes malte er kurz vor seinem Tod \u2013 f\u00fcr Sankt Peter. Peter Paul Rubens \u2013 ein Kind von Sankt Peter Rubens wurde in Siegen geboren. 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