Geschichte

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In keiner anderen katholischen Kirche finden über einen solch langen Zeitraum und in einer solch hohen künstlerischen Qualität kontinuierlich Ausstellungen, Rauminterventionen, Kunstprojekte, darüber hinaus Konzerte, Vorträge und Diskussionen statt, die sich um den Anschluss der Kirche an das Zeitgenössische mühten. Kaum eine andere Institution ließe sich mit diesem „Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik“ vergleichen. Kein anderer Kirchenraum öffnete sich der Auseinandersetzung mit der Kunst in der Weise, wie es in Sankt Peter ab 2000 räumlich vollzogen wurde.

 

Der Beginn

Seit bald fünfundzwanzig Jahren vermittelt die Kunst-Station Sankt Peter Köln zwischen Kunst und Kirche, Kunst und Religion, Kunst und Glaube. 1987 initiiert von P. Friedhelm Mennekes S.J. hat die Beschäftigung mit der Kunst im Laufe der Jahre Früchte getragen, unter anderem mit einem architektonischen und ästhetischen Konzept, das spirituelles und künstlerisches Leben und Empfinden miteinander verbindet. Der besondere Raum beeinflusst selbstverständlich auch die Feier der Liturgie, an die Pfarrer und Gemeinde besondere Maßstäbe anlegen. Mit gleicher Sorgfalt und Sensibilität, mit der in Sankt Peter Gottesdienste gefeiert werden, präsentiert die Kunst-Station ihre Ausstellungen.

 

Die Ausstellungstätigkeit der Kunst-Station Sankt Peter begann zunächst an mehreren Orten, teils in einer Einheit, teils parallel und unabhängig voneinander. Das wohl größte Aufsehen erregte die Ausstellungsfolge von nahezu fünfzig zeitgenössischen Triptychen in den Jahren 1987 bis 1994, die nacheinander für mehrere Wochen in der Apsis der spätgotischen Kirche zu sehen waren. Teilweise wurde zusätzlich Malerei des gleichen Künstlers auf der Empore gezeigt, teils waren dies gleichzeitig stattfindende Ausstellungen anderer Künstler. Im Hof wurden in regelmäßigen Abständen Skulpturen installiert und schließlich beherbergte die Kunst-Station anfangs in ihren Gastateliers am nördlichen Turmanbau immer wieder junge Künstlerinnen und Künstler, die ihre Arbeiten anschließend dort oder im Pfarrhaus präsentierten.

 

Eine Wende

In der Fastenzeit 1994 kam es rund um die Ausstellung „Kreuzigung“ von Alfred Hrdlicka zu heftigsten Diskussionen, ob ein nichtchristliches Kultbild anstelle eines Altarkreuzes an zentraler Stelle hinter dem Altar gezeigt werden dürfe. Infolgedessen wurde die Ausstellungsreihe mit Triptychen eingestellt. In der nun folgenden zweiten Phase fanden Ausstellungen nur noch auf der Empore mit einzelnen Arbeiten am rechten Seitenaltar statt. Zwei Ausstellungen im gesamten Kirchenraum waren für die zukünftige räumliche Gestaltung von Sankt Peter von maßgeblicher Bedeutung: „The White Mass“ von James Lee Byars 1995 und die Raumintervention von Anish Kapoor 1996. Mit Beginn der Sanierung am Bau von Sankt Peter im Spätsommer 1997 ruhte die Ausstellungstätigkeit der Kunst-Station zunächst.

 

Die Neugestaltung

Die umfangreichen Bauarbeiten umfassten sowohl die statische Sicherung des Gebäudes als auch eine umfangreiche Umgestaltung des Innenraums. Mit der Wiedereröffnung im November 2000 nahm auch die Kunst-Station Sankt Peter ihre Ausstellungstätigkeit wieder auf. Beginnend mit einer Skulpturenausstellung mit Arbeiten von Eduardo Chillida, die in Beziehung zum neuen Kreuzaltar des baskischen Bildhauers für Sankt Peter gesetzt wurden, begann eine Reihe von künstlerischen Interventionen, die auf den Raum, auf „Gurutz Aldare“ und seit dem Frühjahr 2002 auch wieder auf die „Kreuzigung Petri“ von Rubens reagierten, die, ermöglicht durch eine Drehwand hinter dem Altar, abwechselnd mit der „Bekehrung Pauli“ von Cornelius Schut zu sehen war. Beginnend mit Jannis Kounellis konnten einzelne Künstler auch wieder im Hof der Kirche Arbeiten präsentieren.

Diese dritte Phase der Ausstellungen wurde beendet durch das Verbot der Römischen Kongregation für den Gottesdienst und des Erzbischofs von Köln, den Kreuzaltar von Eduardo Chillida weiter als Pfarraltar nutzen zu dürfen. Dies hatte zunächst räumliche Folgen, da „Gurutz Aldare“ aus dem Mittelschiff ins mittlere Joch des nördlichen Seitenschiffs, das Rubensbild an die Stirnwand des südlichen Seitenschiffs und das Bild von Schut an eine nördliche Außenwand im unteren Seitenschiff verbracht wurden. Die Drehwand wurde daraufhin wieder zurück gebaut und ein neuer Altartisch wurde anstelle des Chillidaaltars errichtet.

 

Das lebendige Heute

Das Eingreifen kirchlicher Behörden stellte aber auch die bisherige Arbeit der Kunst-Station in Frage. Nach einer Phase der Ruhe wurde im Herbst 2004 wieder begonnen, mit künstlerischen Positionen auf den Raum zu reagieren, teils ausschließlich oben auf der Empore, teils mit Arbeiten in allen Teilen des Kirchenraums und teils mit punktuellen Interventionen im unteren Bereich der Kirche. Diese nunmehr vierte Phase dauert bis heute ununterbrochen an.

 

Fotogalerie Geschichte der Kunst-Station

Eine sehr, sehr kleine Auswahl von Ausstellungen in der Kunst-Station Sankt Peter Köln.